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Tausch der Hydraulikpumpe beim Belarus MTS 50

Posted by Stefan Raabe - 21. Juni 2009

Nachdem die alte Hydraulikpumpe Nsch32Y nach erfolgter Abdichtung (Simmerring 42×25+ Flanschdichtung zwischen Pumpe und Antriebsgehäuse gewechselt) genauso geleckt hat wie vorher, habe ich eine neue für 119,- bei Firma Fricke bestellt, die auch prompt am nächsten morgen da war.
Wie sich zwischenzeitlich rausgestellt hat, hat an der orginal verbauten Pumpe schon mal jemand rumgepfuscht. Nach Zerlegung hat sich herausgestellt, dass diese ist zwischen den beiden Gehäusehälften undicht geworden ist, weil eine winzige Dichtung nicht an der Druck-, sondern an der Saugseite montiert war. Die Pumpenabdichtung wurde also mit ca. 140 bar Öldruck belastet, wofür diese auf Dauer nicht ausgelegt war. Nach Tauschen der Dichtung und neuer Abdichtung der Gehäusehälften habe ich nun also noch die alte regenerierte auf Lager liegen (obwohl die Dinger normalerweise unkaputtbar sind).
Die Leckage war plötzlich aufgetreten, nachdem ich mit dem Frontlader ein bischen schwer gehoben habe.

Die alte Pumpe
Die alte Pumpe

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Die neue Pumpe ist etwas kürzer

Das Ausbauen gestaltet sich einfach, wenn man weiss, welche Leitungen vorher demontiert werden müssen.
Zu allererst muss das Hydrauliköl abgelassen werden, welches bei den älteren Belarus-Traktoren serienmässig normales Motorenöl ist. Die Ablassschraube ist rechts unten vor der Kabine (unter dem Hebel, wo der Pumpenantrieb geschalter werden kann. Im Tank sind etwa 20l, damit sich das Ablassen nicht wie bei mir zur Umweltsauerrei entwickelt, ist eine gute Vorbereitung nötig. Ein Trichter mit etwa 30mm Auslassdurchmesser aufgestecktauf 50er HT-Rohr in einen Kanister mündend konnte die Ölflut nicht bewältigen.

Als erstes habe ich mir für zukünftigen Aderlass eine Ablassvorrichtung gebaut. Das Einschraubgewinde ist Feingewinde M20x1,5. ein Stück 1/2″ Wasserrohr oder Doppelnippel auf der einen Seite mit M20x1,5 (auf 20mm abdrehen), auf der anderen Seite versehen (für 1/2″ Kugelhahn) ist dafür nötig. An die zweite Seite des Kugelhahns habe ich noch ein Stück Rohr eingeschraubt, um einen Schlauch draufzuschieben. Eingedichtet habe ich das Ganze mit Teflondichtband.

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Da sitzt die Ablassschraube

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Ablasshahn für Hydrauliköl

Es empfielt sich, alle genannten Verbindungen vorher gründlich zu reinigen, damit so wenig wie möglich Dreck ins Hydrauliksystem kommt.

Um die Pumpe demontieren zu können, müssen die beiden Leitungen abgeschraubt werden, die den Hydraulikzylinder für die 3-Punktaufnahme versorgen. Diese haben am Steuerblock Überwurfmuttern, am Zylinder Schnellkupplungen. Darauf achten, das die Leitungsenden verschlossen werden, damit kein Schmutz ins System gelangt. Da die Leitungen an einer Stelle durch die Kabine gehen, wo sich gerne Schmutz und Nässe sammelt, rosten diese gerne mal durch. Also bei Rostschäden sicherheitshalber austauschen, zur Not gehen auch 12er Hydraulikschläche. Ich habe meine vom Dreck befreit und neu lackiert. Genügend Lappen bereithalten, das ganze ist eine ziemliche Sauerei.

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Die Leitung in der Bildmitte muss raus.

Als nächstes kommt die Leitung weg, die vom hydraulischen Raddruckverstärker zum Druckspeicher über der linken Hinterachse unter der Kabine führt. Die rauszukriegen ist etwas gefummel, aber es geht. Hier auch auf jeden Fall die Enden vor der Wiedermontage verschliessen.

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Die Verschraubung für die Leitung zum Druckspeicher

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Anschluss am Druckspeicher über der Achse

Nun ist der druckseitige (rechte Seite) Anschluss der Pumpe dran. Mit einer 1/4″ Ratsche und 12er Nuss + langer Verlängerung kommt man gut an die 4 Schrauben. Am Steuerblock,wo die Ringöse befestigt ist hilft eine eine 36er Nuss mit Knebel, ich musste den Hebel noch verlängern, weil die Hohlschrauche wahnsinnig fest saß. Und nicht vergessen, Lappen unterlegen. Die Kupferdichtringe kann man wieder weichglühen, oder neue verwenden. Die Gummidichtung im Flansch habe ich auch erneuert.

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Druckseitiger Anschluss der Pumpe

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Ringöse + Hohlschraube der Druckleitung am Steuerblock

Der Bogen linksseitig der Pumpe muss auch entfernt werden, was mit der kleinen Ratsche keine Probleme bereitet. Die Flachdichtungen habe ich erneuert. Laut Explosionszeichnung sollen jeweils 2 gleiche Dichtungen übereinander montiert werden. Mit jeweils nur einer ging es bei mir, zwei Stück wären zu dick geworden. Vielleicht war das Dichtungsmaterial in Weissrussland früher dünner.

Die zwei oberen der vier 10er Muttern, mit denen die Pumpe besfestigt ist, sind etwas schwer erreichbar, mit einem Gabelschlüssel kann man immer nur wenige Grad drehen. An die unteren kommt man gut mit einem Ringschlüssel ran. Sind alle gelöst, kann man die Pumpe nach hinten abziehen. Evtl. mit grossem Schraubenzieher oder Brechstange nachhelfen, so alte Dichtungen entwickeln mit der Zeit eine enorme Klebkraft.

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freigelegter Pumpenantrieb hinter der Pumpe

Wenn die Dichtung hinter der Pumpe matsch ist, eine neue Verbauen. Normalerweise dürfte nicht viel Lecköl von der Pumpe kommen, wenn der Simmerring i.O. ist. Falls doch, läuft das ins Getriebe und vermischt sich mit dem Getriebeöl. Hauptsache schmiert.

Zusammengebaut wird alles in umgekehrter Reihenfolge. Alle Dichtstellen müssen natürlich vorher gründlich gereinigt und inspiziert werden. Und nicht versehentlich irgendwelche Papierstöpsel in den Leitungsenden lassen (wie mir beim ersten mal passiert, ist dann in der Druckleitung und dem Überströmventil hängengeblieben, wo ichs rauspulen konnte)

Bei Gelegenheit kann man noch das Überströmventil kontrollieren/instandsetzen/erneuern. Man kommt zwar auch bei eingebauter Pumpe ran, wenn aber die Druckleitung ab ist, gehts leichter. Das sitzt direkt hinter/unter dem Druckanschluss am Steuerblock. Ein Deckel mit zwei Schrauben verschliesst unterm Steuerblock die Bohrung hierfür und spannt die Feder.

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Die Bohrung fürs Überströmventil

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Das eigentliche Ventil

Am Ventilkegel waren bei mir einige Ausbrüche zu erkennen, kein Wunder, da das Ventil stark flattert wenn der Maximaldruck im Hydrauliksystem erreicht ist. Das Ding regelt den maximalen Druck in der Hydraulik.
Ich habe den Ventilkegel auf der Drehbank um etwa 0,2mm abgedreht und gut poliert, das Ding hat auf der einen Seite eine Zentrierbohrung. Der Winkel ist genau 45°.
Der Ventilsitz war lt. Sichtprüfung noch in Ordnung. Pedanten schleifen den Sitz vielleicht noch ein, ich habe drauf verzichtet, weil ich keine Schleifpastenreste in der Hydraulik haben will.
Durch das Abdrehen muss der Federdruck neu eingestellt werden, ich habe ein 1mm Unterlegscheibchen (vom Einspritzdüsen einstellen) gewählt, die ich vorm Zusammenbau unter die Feder gelegt habe. Die Federkraft lässt ja über die Jahrzehnte auch etwas nach, 1mm war eine gute Wahl, das Ventil regelt nun bei 140 bar ab.

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Alles wieder montiert

Bei Gelegenheit kann man auch mal den Hydraulikfilter reinigen, der das Öl vom Rücklauf filtert. Der Flansch auf dem Hydraulikvorratstank hält die Filterelemente. Hab sie in Benzin ausgewaschen und mit Druckluft durchgepustet.

Bei einem Baumaschinenservice hab ich für einen kleinen Obelix in die Kaffekasse 20l „altes“ Hydrauliköl bekommen. Die passten genau in den Vorratstank.
Das Öl wird bei neuen Maschinen nach einer Weile gewechselt, taugt aber allemal für so eine alte Russenhydraulik.
Durch die neue Pumpe und die Neujustierung des Überströmventils ist dann gleich noch ein maroder Schlauch geplatzt. Eine schöne Schweinerei, wenn Öl mit über 100 Bar in die Wallachei spritzt. Zum Glück haben die Kinder grad ein Stück weiter gespielt.

Ein einstellbares Drosselrückschlagventil in der Leitung von den Stempeln des Hubarmes ist übrigens eine unverzichtbare Verbesserung, wenn man oft schwere und teure Maschinen o.ä. auf- oder ablädt. So kann man ganz sachte den Arm senken. Die Steuerung der Hydraulikzylinder ist digital (an oder aus), mit viel Feingefühl am Hebel gehen zwar auch Zustände dazwischen, das ist aber oft Glückssache.

Auf Wunsch kann ich die Ersatzteilenummern bekanntgeben, und auch bei anderen Problemchen am MTS 50 helfen.

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